3096 Tage: Wie ich achteinhalb Jahre in Gefangenschaft by Natascha Kampusch

By Natascha Kampusch

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Das Schweigen Verstehen: Uber Aphasie, 4. Auflage

Die Autorin, erfahrene Sprachtherapeutin und klinische Linguistin, liefert Lesern mit dieser Einf? hrung den „Schl? ssel“ zum Verst? ndnis der Lebenssituation von Menschen, die unter Aphasie leiden. Behandelt werden in dem Band die normale Sprachverarbeitung und die Fehlfunktionen bei Aphasie ebenso wie Therapien f?

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Wenn du mich jetzt freilässt, bemerkt niemand etwas. Ich werde einfach sagen, ich bin weggelaufen. « Ich versuchte, ihm zu erklären, dass er einen schweren Fehler beging, dass man mich bereits suchen und ganz sicher finden würde. Ich appellierte an sein Verantwortungsgefühl, ich bettelte um Mitleid. Doch es war zwecklos. Er machte mir unmissverständlich klar, dass ich die Nacht in diesem Verlies verbringen würde. Hätte ich geahnt, dass dieser Raum für 3096 Nächte mein Rückzugsraum und mein Gefängnis zugleich sein würde, ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte.

Der Gedanke ließ mich tagelang nicht los. Als ich neun Jahre alt war, begann ich, meinen Frust mit Essen zu kompensieren. Ich war schon früher kein dünnes Kind gewesen und in einer Familie aufgewachsen, in der Essen eine große Rolle spielte. Meine Mutter war der Typ Frau, die essen konnte, so viel sie wollte, ohne ein Gramm zuzunehmen. Es mag an einer Schilddrüsen-Überfunktion gelegen haben oder an ihrem aktiven Wesen: Sie aß Schmalzbrote und Torten, Kümmelbraten und Schinkensemmeln und nahm nicht zu und wurde nicht müde, das auch vor anderen zu betonen: »Ich kann ja essen, was ich will«, flötete sie, ein Brot mit fettem Aufstrich in der Hand.

Wir fuhren in ein neues Heurigen-Lokal, machten Ausflüge in Landgasthöfe, zu einer Burg nicht wegen der historischen Führungen, sondern um am Ritteressen teilzunehmen: Stapel von Fleisch und Knödeln, die man sich mit der Hand in den Mund schob, Krüge voller Bier dazu das war ein Ausflugsziel nach dem Geschmack meines Vaters. Auch in den beiden Geschäften in Süßenbrunn und in der Marco-Polo-Siedlung, die meine Mutter nach der Trennung von meinem Vater übernommen hatte, war ich ständig von Nahrungsmitteln umgeben.

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